Teamspirit

Team Spirit – Wie Sie als Leader ein Wir-Gefühl schaffen

Der Team Spirit eines Bereichs oder einer Abteilung ist eines der deutlichsten Merkmale für die Qualität der Führung. Wie aber entsteht ein förderlicher Teamgeist? Anders gefragt: Was kann eine Führungskraft tun, die eine Abteilung übernimmt und feststellt, dass dort Egoismus, Konkurrenzdenken oder Gleichgültigkeit herrschen?

Vier Prinzipien sind wichtig. Sie beschreiben Denkmuster, die Teil der Persönlichkeit sind. Veränderungen, die an die Persönlichkeit gebunden sind, benötigen Zeit. Wäre es simpel, sie zu adaptieren, würden wir überall Bereiche, Abteilungen und Teams mit einem starken Wir-Gefühl wahrnehmen können. Die vier Prinzipien finden Sie in dem von mir entwickelten Führungsmodell wieder. Je mehr sie von der Führungskraft vorgelebt werden, umso eher entwickelt sich ein starker, für Außenstehende deutlich wahrnehmbarer Team Spirit.

 

Team Spirit benötigt vier Prinzipien

  1. Ein Bild der Zukunft
  2. In Beiträgen denken
  3. Die Tugend der Demut
  4. Die Haltung des Humors
Grafik: Das Leadership-Modell

Grafik: Das Leadership-Modell

Jede dieser Eigenschaften können Sie entwickeln, wenn Sie das tatsächlich wollen. Beurteilen Sie selbst, wie gut Sie darin sind. Wenn Sie eines der Themen vertiefen wollen, nutzen Sie den weiterführenden Link.


1. Ein gemeinsames Bild der Zukunft, das für alle erstrebenswert ist.

Natürlich kann man auch ohne eine Vision (lat: visio = Anblick), also ohne eine Ansicht der Zukunft einen Team Spirit schaffen. Vielleicht braucht eine gut eingespielte Buchhaltungsabteilung auch nicht unbedingt eine Vision. Es steht aber außer Frage, dass ein gemeinsam angestrebtes inspirierendes Bild die Energie der Mitarbeiter in eine Richtung lenkt und damit die Menschen verbindet. Diese Vision sollte sinnhaft sein, also einen Sinn anbieten, für den die Mitarbeiter sich einsetzen wollen. Ein solches Zukunftsbild kann in einem Workshop von allen gemeinsam entworfen werden. Das muss aber nicht sein. Auch ein von der Führungskraft allein entworfenes Bild kann die Mitarbeiter sehr ansprechen. Lesen Sie hier, wie Sie als Leader eine eigene Vision kreieren.


2. Das Denkmuster, in Beiträgen zu denken.

Autor Peter F. Drucker schrieb in seinem Klassiker »The Effective Executive« bereits vor 50 Jahren, eine effektive Führungskraft stelle sich immer wieder die eine zentrale Frage: »Was kann ich beitragen, um die Leistung und die Ergebnisse meiner Organisation maßgeblich zu beeinflussen?« Frei nach John F. Kennedy: »Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!« In Beiträgen zu denken muss von der Führungskraft eingefordert und vor allem vorgelebt werden. Wenn einzelne Mitarbeiter wiederholt dagegen verstoßen, sollte das Konsequenzen haben – spätestens dann merken die Mitarbeiter, dass Sie es ernst meinen. »In Beiträgen denken« sorgt dafür, dass wir die Welt aus der Perspektive der anderen wahrnehmen. So wird nicht nur Silodenken zwischen den Abteilungen reduziert, sondern auch der Egoismus innerhalb von Abteilungen. Entdecken Sie im weiterführenden Artikel, was für Peter Drucker »In Beiträgen denken« bedeutet.


3. Die Tugend der Demut

Der buddhistische Mönch Matthieu Ricard (* 1946) schreibt: »Demut besteht […] darin, dass wir vom Gefühl unserer eigenen Wichtigkeit frei sind.«[1] Das Gegenteil davon ist der Hochmut, dem nicht wenige Manager verfallen sind. Wer sich selbst zu wichtig nimmt, stellt sich aufgrund von erreichtem Erfolg, Intelligenz oder Besitz auf eine Ego-Säule, von der er auf andere hinabblickt, die scheinbar weniger ambitioniert oder talentiert sind. Das baut aber Distanz auf, welche die Menschen trotz des freundlich-kollegialen Auftretens des Vorgesetzten spüren können. Demut bedeutet, die Bodenhaftung zu behalten, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Der Mitarbeiter merkt, ob die Führungskraft ihn beurteilt und einsortiert oder ob sie ihm offen und respektvoll begegnet. Demut ermöglicht Nähe, die eine notwendige Bedingung für jeden Team Spirit ist. Lesen Sie hier über Demut und wie eine berühmte Persönlichkeit sie umgesetzt hat.


4. Die Haltung des Humors

Humor bezeichnet die »Fähigkeit und Bereitschaft, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.«[2] Der Kern von Humor ist also nicht Witzigkeit, sondern heitere Gelassenheit. Echter Team Spirit benötigt positive Energie, der ihn befeuert und nährt. In einem humorlosen Umfeld kann Letztere nicht zustande kommen, denn die Energie der Menschen ist dann grundsätzlich reduziert. Die Mitarbeiter verharren, statt Neues zu wagen, weil bei Fehlern sofort das »Wer ist schuld?«-Spiel beginnt. Verantwortung wird weggeschoben statt angenommen. In einem humorlosen Umfeld zeigen die Mitarbeiter sozial erwünschtes Verhalten. Gemeinsames Lachen und Scherzen findet nicht statt. Humor dagegen befreit von all diesen Zwängen und schafft eine Atmosphäre, in der Authentizität, Spontanität und vor allem Teamgeist entstehen kann. Lesen Sie hier am Beispiel von Papst Franziskus und dem Dalai Lama, was Humor bedeutet.

 

Humor und Demut sollten Tugenden sein, die eine Führungskraft mitbringt. Aktiv an die Mitarbeiter vermitteln lässt sich dagegen das Bild der Zukunft und das Denken in Beiträgen. Interessanterweise tun nicht nur Führungskräfte, die alle vier Prinzipien umsetzen, sondern auch diejenigen, die sie konsequent nicht umsetzen (können), etwas für den Team Spirit. Ein richtig schlechter Chef ohne Vision, der konsequent Egoismus, Arroganz und Humorlosigkeit praktiziert, schweißt die Mitarbeiter nämlich auch zusammen 😉

 

[1] Buddhistische Weisheiten. URL: https://www.buddhistische-weisheiten.org/einstellung/7/ [Stand: 20.02.2018].

[2] Stichwort »Humor«, in: Duden – Deutsches Universalwörterbuch. 6. Aufl., Mannheim 2006.

Autor Alexander Groth

Alexander Groth ist Professional Speaker, Trainer und Autor für Leadership. Er vermittelt Führungskräften neue Impulse für ihre Arbeit und ist Lehrbeauftragter an drei Universitäten. Sein Engagement gilt der Förderung einer modernen Führungskultur.

Groth ist einer der meistgelesenen Führungsautoren. Als Dozent mit der besten Benotung erhielt er zweimal in Folge den Best Teaching Award der TU München.