Leadership News: Menschlichkeit durch Humor
Leadership News: Menschlichkeit durch Humor

Menschlichkeit durch Humor

Humor ist ein wichtiger Bestandteil von Menschlichkeit. Humorvolle Chefs schaffen meist ein Arbeitsumfeld, in dem die Mitarbeiter sie selbst sein dürfen und in dem die Hierarchie nicht sonderlich betont wird. Wenn wir Humor zeigen, zeigen wir auch immer etwas von uns, von unserem wahren Wesen. Die Talkmaster-Legende Alfred Biolek sagte einmal: »Man erkennt den Charakter eines Menschen an den Späßen, über die er lacht.« Man kann ergänzen: »und die er macht.« Gerade gegenüber dem Chef oder der Chefin kann es heikel sein, spontan den eigenen Humor zu zeigen, denn mancher Vorgesetzte wird ihn unter Umständen übelnehmen. Sehen Sie es also als ein Zeichen von Vertrauen und guter Atmosphäre an, wenn Ihre Mitarbeiter Ihnen gegenüber ihren Humor zeigen.

Es bleibt aber die Frage, warum so viele Manager Probleme mit Humor haben. Viele Manager bemühen sich zäh darum, seriös und ernsthaft zu wirken. Der würdevolle Auftritt scheint ihnen mit Humor nicht vereinbar. Lassen Sie uns dazu ein kleines Quiz machen: Was ist das Gegenteil von »humorvoll«? … Bitte überlegen Sie sich JETZT ein Wort! … Lesen Sie bitte erst weiter, wenn Ihnen ein Wort eingefallen ist.

Haben Sie jetzt spontan mit »ernsthaft« geantwortet? Die richtige Antwort wäre »humorlos«! Dieses Missverständnis stellt in der Praxis ein echtes Problem dar! Führungskräfte wollen nämlich ernsthaft wirken, damit sie ernst genommen werden. Was aber ist die Folge davon, wenn man glaubt, Humor sei das Gegenteil von Ernsthaftigkeit? Die Konsequenz kann nur sein, dass man keinen Humor zeigen darf.

Mit »Ernsthaftigkeit« bezeichnet man eine Haltung der Sachlichkeit, Nachdenklichkeit und Aufrichtigkeit. Wenn wir sachlich und nachdenklich sind, wirken wir normalerweise nicht fröhlich und heiter, »ernsthaft« ist aber nicht gleichbedeutend mit humorlos. Humor bezeichnet die »Fähigkeit und Bereitschaft, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.«[i] Wenn wir ernsthaft sind, lächeln oder lachen wir in dem Moment nicht, aber selbstverständlich haben wir die Fähigkeit dazu. Nur wer diese Fähigkeit nicht mehr hat, der ist humorlos.

Denken Sie mal an eine Person, die

– Autorität,

– Würde und

– Courage

ausstrahlt. Lächelt oder lacht diese Person in Ihrer Vorstellung?

Sehr wahrscheinlich nicht, denn mit diesen drei Eigenschaften verbinden viele Ernsthaftigkeit und damit meist eben kein Lächeln oder gar Lachen. Darf ich Ihnen zwei Personen nennen, die alle drei Eigenschaften im hohen Maße besitzen und ausstrahlen? Beides sind höchste Würdenträger großer Weltreligionen: Der Dalai-Lama und Papst Franziskus. Beide besitzen ohne Zweifel Autorität und Würde und haben in ihrem Leben Courage bewiesen. Man darf sie auch getrost als ernsthafte Persönlichkeiten bezeichnen. Machen Sie einfach mal den Test und schauen Sie sich die Bildersuche zu »Dalai-Lama« an. Was sehen Sie? Und jetzt machen Sie bitte das Gleiche mit der Bildersuche zu »Papst Franziskus«. Was sehen Sie nun? Speichern Sie diese Bilder im Gedächtnis bitte unter »ernsthafte Persönlichkeit, die Würde, Autorität und Courage besitzt« und halten Sie es in Zukunft genauso.

Leider sind humorlose Chefs, die vor allem sich selbst ungemein wichtig nehmen, in fast jedem Unternehmen anzutreffen. Wer sich aber selbst zu ernst nimmt, wird schon bald von den Mitarbeitern nicht mehr ernst genommen. Wer nicht mit anderen lachen kann, wird zum Objekt des Lachens anderer.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Der Chef, den ich nie vergessen werde“ von Alexander Groth

[i]  Stichwort »Humor«, in: Duden – Deutsches Universalwörterbuch. 6. Aufl., Mannheim 2006.

Autor Alexander Groth

Alexander Groth ist Professional Speaker, Trainer und Autor für Leadership. Er vermittelt Führungskräften neue Impulse für ihre Arbeit und ist Lehrbeauftragter an drei Universitäten. Sein Engagement gilt der Förderung einer modernen Führungskultur.

Groth ist einer der meistgelesenen Führungsautoren. Als Dozent mit der besten Benotung erhielt er zweimal in Folge den Best Teaching Award der TU München.

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