Demut
Demut

Demut

Wenn man mich fragt, welche Eigenschaft ich an Menschen bewundere, fällt mir als Erstes die Demut ein. Manche Manager haben beim Begriff Demut eher negative Assoziationen. Sie verbinden damit ein unterwürfiges Verhalten. Aus meiner Sicht ist Demut eine großartige Charakterstärke. Eine Person, die demütig ist, erhebt sich nicht über andere. Sie stellt sich nicht selbst auf eine Ego-Säule, von der sie auf die anderen herabschaut. Wenn jemand sich selbst erhöht, merken das die Menschen seines Umfeldes. Das gilt auch dann, wenn die Person sich den anderen gegenüber höflich und freundlich verhält. Mitarbeiter lassen sich nicht gern von jemandem führen, der innerlich auf sie herabblickt. Wer ungeachtet seiner Erfolge mit beiden Beinen auf dem Boden bleibt, begegnet den Menschen auf Augenhöhe. Diese spüren dann, dass sie respektiert werden.

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Das Gegenteil von Demut ist Hochmut

Dieser äußert sich in Überheblichkeit, Wichtigtuerei, Arroganz und Blasiertheit. Jetzt wird der ein oder andere Leser vielleicht denken: »Ja, das stimmt schon. Die da oben sollten sich mal wieder Gedanken über Demut machen.« Aber wie steht es mit Ihnen? Sind Sie frei von Hochmut? Was denken Sie zum Beispiel über einen Mitarbeiter, der jeden Tag pünktlich auf die Minute um 17:00 Uhr den Stift fallen lässt und das Büro verlässt? Welche Meinung haben Sie von einfachen Angestellten, die keine Karriereabsichten hegen und sich lieber in ihrer Freizeit verwirklichen? Kommt Ihnen nicht auch manchmal der Gedanke, dass solche Menschen antriebslos sind und dass dies keine sehr gute Eigenschaft ist? Ist nicht jeder seines Glückes Schmied und sind das nicht demnach schlechte Schmiede? Der Nine-to-five-Arbeiter ist ja sprichwörtlich für den unambitionierten Menschen geworden. Wie steht es mit den »Minderleistern« und denen, die offensichtlich ganz anders ticken, als Sie es tun? Natürlich sind Sie ein höflicher Mensch und behandeln jeden freundlich. Es ist aber ein Unterschied, ob man jemanden nur freundlich behandelt oder ob man ihn als Person tatsächlich annimmt und wertschätzt.

Hochmut ist nicht nur im Management weit verbreitet

Überhaupt fühlen sich Manager anderen viel zu oft überlegen, denn offensichtlich haben sie selbst ja Erfolg im Leben und andere nicht. Spätestens wenn der Manager abends im Audi A6 mit Lederausstattung sitzt und beim Stopp an der roten Ampel auf den Fahrer mit dem ältlichen Kleinwagen neben sich schaut, ist das Ego in Hochform und sinniert über den Nebenmann: »Hättest du mal mehr aus dir gemacht, würdest du auch ein gescheites Auto fahren.« Dieses Gefühl ist Hochmut. Selbstverständlich kann man sich an einem schönen Auto erfreuen und man darf es sich auch leisten, aber sobald jemand deshalb auf andere herabschaut und sie als Menschen abfällig bewertet, steht die Person auf einer Ego-Säule. Freude und Dankbarkeit sind das eine, sich deshalb als etwas Besseres zu betrachten, ist etwas ganz anderes.

Demut macht authentisch und gelassen

Jeder Mensch hat Kriterien, nach denen er seine Mitmenschen beurteilt. Bei Managern sind das oft äußere Merkmale: Welche Position hat er im Unternehmen? Wie viel Macht hat er? Wie selbstbewusst tritt er auf? Wie teuer sind Kleidung und Uhr? Was fährt er für ein Auto? Beurteilen Vorgesetzte andere nach solchen Kriterien, fühlen sie sich dann sicher und souverän, wenn sie »mehr« haben als ihr Gegenüber. Gewinnt das Gegenüber den Vergleich, hat er also zum Beispiel deutlich mehr Macht, fühlt sich dieselbe Person dem anderen gegenüber minderwertig, ist unsicher und nervös. Jemand, der dagegen über die Charaktereigenschaft der Demut verfügt, reagiert in beiden Fällen authentisch und gelassen. Wer sich selbst nicht auf eine Säule stellt, um auf andere herabzuschauen, behandelt Untergebene mit Respekt. Da er sich selbst nicht über andere erhebt, fühlt er sich anderen auch nicht unterlegen, nur weil sie einen Titel, Geld oder Macht haben, und begegnet damit auch ihnen auf Augenhöhe. Er sieht die ihm unterstellten Mitarbeiter vor allem als Menschen, und genau das sieht er auch in seinen Vorgesetzten.

Dieser Text ist ein kleiner Auszug aus dem Buch „Der Chef, den ich nie vergessen werde“ von Alexander Groth

Autor Alexander Groth

Alexander Groth ist Professional Speaker, Trainer und Autor für Leadership. Er vermittelt Führungskräften neue Impulse für ihre Arbeit und ist Lehrbeauftragter an drei Universitäten. Sein Engagement gilt der Förderung einer modernen Führungskultur.

Groth ist einer der meistgelesenen Führungsautoren. Als Dozent mit der besten Benotung erhielt er zweimal in Folge den Best Teaching Award der TU München.

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