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Great Leaders - Steve Jobs: Wie man sich auf weniges fokussiert
Great Leaders - Steve Jobs: Wie man sich auf weniges fokussiert

Steve Jobs: Wie man sich auf weniges fokussiert

Great Leaders: Steve Jobs

Steve Jobs revolutionierte sechs große Industriezweige: Personal Computer, Smartphones, Tablets, Musik, Animationsfilme (Pixar) und Digital Publishing. Wenn die Ideen eines einzelnen Menschen einen ganzen Industriezweig nachhaltig verändern, ist das schon sehr beeindruckend. Wie aber schafft es jemand, gleich mehrere so zu beeinflussen, dass nichts mehr ist, wie es zuvor war? Walter Isaacson, der die autorisierte Jobs-Biografie geschrieben hat, stellt die Fähigkeit zum Fokussieren als die vielleicht herausragendste Eigenschaft von Steve Jobs heraus. Hier drei Zitate: von Jobs selbst, von seinem Nachfolger Tim Cook und von Sir Jonathan Paul »Jony« Ive, der ab 1992 das Design von Apple mit geprägt hat. Alle drei lassen vermuten, dass der Fokus von Jobs bereits in die DNA von Apple eingegangen ist:

»People think focus means saying yes to the thing you’ve got to focus on. But that’s not what it means at all. It means saying no to the hundred other good ideas that there are.«1
(Übers.: Viele meinen, fokussiert denken heiße, Ja zu sagen zu den Dingen, auf die man sich fokussieren muss. Aber das heißt es überhaupt nicht. Es heißt, Nein zu sagen zu den hundert anderen guten Ideen, die es gibt.)
Steve Jobs (Apple-Gründer)

»I learned that focus is key. Not just in your running a company, but in your personal life as well.«2
(Übers.: Ich habe erkannt, dass die Fokussierung der Schlüssel ist. Nicht nur beim Führen eines Unternehmens, sondern ebenso im Privatleben.)
Tim Cook (CEO, Apple)

»You can achieve so much when you truly focus. What focus means is saying no to something that with every bone in your body think is a phenomenal idea, and you wake up thinking about it, but you end up saying no to it because you’re focusing on something else.«3
(Übers.: Sie können so viel erreichen, wenn Sie sich tatsächlich fokussieren. Das bedeutet, Nein zu sagen zu etwas, das Sie mit jeder Faser Ihres Körpers für eine großartige Idee halten, aber dennoch verwerfen, weil Sie sich auf etwas anderes fokussieren.)
Sir Jony Ive (Chief Design Officer, Apple)
Was kann man nun von Steve Jobs darüber lernen, wie man sich fokussiert? Jobs begründete 1976 Apple mit, musste es 1985 verlassen, 1996 (mit dem Kauf von NeXT durch Apple) kehrte er zu Apple zurück und wurde zum Retter des am Abgrund stehenden Unternehmens. Als Erstes sah er sich die Produktpalette an. Apple hatte damals zum Beispiel ein Dutzend Varianten des Macintosh im Angebot, konnte aber in der Werbung nicht mit einfachen Worten erklären, worin der Unterschied zwischen den Modellen bestand. Apple hatte seine Produktpalette ausgeweitet und zeigte gar Ambitionen im Bereich Server und Drucker. Jobs sah sich den Wirrwarr an und rief: »Stopp! Das ist verrückt!« Auf ein Whiteboard malte er vier Felder. Darüber schrieb er »Consumer« und »Pro«, daneben »Desktop« und »Portable«. Für diese vier Felder sollten seine Leute großartige Produkte entwickeln. Darauf galt es, sich zu fokussieren. 70 Prozent der damaligen Produktlinien wurden ersatzlos gestrichen, viele laufende Projekte beendet und 3.000 Mitarbeiter entlassen. Dieser harte Schnitt rettete Apple die Existenz.

Sich auf weniges zu fokussieren, mag aus heutiger Sicht nachvollziehbar sein, vielleicht sogar selbstverständlich wirken – nachdem wir den überragenden Erfolg dieser Strategie kennen. Damals aber war es ein Risiko. Jobs sagte einmal: »Apple is a $ 30 billion company, yet we’ve got less than 30 major products. I don’t know if that’s ever been done before. Certainly the great consumer electronics companies of the past had thousands of products. We tend to focus much more.«4 (Übers.: Apple ist ein 30-Milliarden-Dollar-Unternehmen, obwohl wir weniger als 30 Hauptprodukte haben. Ich weiß nicht, ob das jemals zuvor getan wurde. Sicher hatten die großen Konzerne für Unterhaltungselektronik in der Vergangenheit tausende Produkte. Wir dagegen kümmern uns darum, uns mehr zu fokussieren.)

Diese Fokussierung betrieb Jobs in allen Bereichen. Er war bei den Unternehmen, die er leitete, dafür bekannt, einmal im Jahr einen Retreat (Rückzug/Klausur) zu veranstalten (siehe dazu den Artikel mit sehr aufschlussreichem Video, welches Jobs beim Retreat zeigt), bei dem er seine wichtigsten Mitarbeiter um sich versammelte, um über das Business und dessen Zukunft zu reflektierten. Am letzten Tag wurde gemeinsam von allen Anwesenden am Whiteboard eine Liste erstellt, auf der die zehn wichtigsten Ideen festgehalten wurden, die man als Nächstes angehen konnte. Es entstand stets ein harter Wettbewerb, welche Themen und Ideen auf die Liste kamen und welche nicht. Diese finalen zehn Punkte wurden anschließend in eine Rangfolge gebracht. Am Ende strich Jobs die unteren sieben mit der Begründung, dass man niemals alles schaffen könne. Auf die drei ausgewählten Ideen konzentrierten dann alle ihre Energie.

Diese Fokussierung empfahl Jobs auch anderen CEOs, die ihn um Rat fragten. So sprach er zum Beispiel 2006 auf dessen Bitte mit Marc Parker, dem damals neu ernannten CEO von Nike. Parker änderte entsprechend der Empfehlung von Jobs die Geschäftsstrategie von Nike, indem er sich auf die besten Produkte fokussierte und viele andere abschaffte. Ebenso bat Larry Page, Mitbegründer und CEO von Google, Steve Jobs 2011 kurz vor dessen Tod um Rat. Auch Page fokussierte sich nach der Begegnung mit Jobs auf die erfolgreichen Google-Tools und beendete Google-Talks und Google-Video. Sowohl Nike als auch Google waren mit der empfohlenen Fokussierung sehr erfolgreich.

Jobs betont im oben stehenden Zitat, Fokussierung bedeute, sich um viele (andere) Dinge und Ideen nicht zu kümmern. Und das, obwohl sie vielleicht großartig sind, Freude bereiten und auch noch ordentliche Gewinne abwerfen würden.

Stellen Sie sich daher ganz im Sinne von Steve Jobs die Fragen:
– Was sind Ihre maximal drei Punkte, auf die Sie sich in diesem Jahr konzentrieren? Können Sie diese drei Punkte in klaren und knappen Worten aufschreiben?
– Was werden Sie alles nicht tun, obwohl die Ideen eigentlich gut sind?

Dieser Text wurde angeregt durch den sehr hörenswerten HBR-Beitrag »Leadership Lessons of Steve Jobs«, in dem der Biograf Walter Isaacson erläutert, was man von Steve Jobs lernen kann.

 

1 America’s most admired Companies: Steve Jobs speaks out. URL: http://archive.fortune.com/galleries2/2008/fortune/0803/gallery.jobsqna.fortune/6.html (16.08.2017).
2 The most important lesson Tim Cook lerned from Steve Jobs. URL: https://techcrunch.com/2012/05/29/the-most-important-lesson-tim-cook-learned-from-steve-jobs-focus-is-key/ (16.08.2017).
3 Jony Ive: This ist the most important thing I learned from Steve jobs. URL: http://www.businessinsider.com/jony-ive-this-is-the-most-important-thing-i-learned-from-steve-jobs-2014-10?IR=T (16.08.2017).
4 vgl. Anm. 1.

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Autor Alexander Groth

Alexander Groth

Alexander Groth ist Professional Speaker, Trainer und Autor für Leadership. Er gehört zu den Top 100 Excellent Speakers und ist Lehrbeauftragter an drei Universitäten. Sein Engagement gilt der Förderung einer modernen Führungskultur.

Groth ist einer der meistgelesenen Führungsautoren. Als Dozent mit der besten Benotung (1,1/1,0) erhielt er zweimal in Folge den Best Teaching Award der TU München.

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