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Unterschied zwischen Management und Leadership - Leadership News
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Vom Unterschied zwischen Management und Leadership

Sind Sie ein Manager oder ein Leader? Diese Frage können Sie für sich beantworten, wenn Sie die Unterscheidung der beiden Begriffe nach John P. Kotter (* 1947) heranziehen. Der bekannte Harvard-Professor und Autor des Klassikers »Leading Change« hat dazu in seinem Buch »A Force for Change – How Leadership Differs From Management« bereits 1990 eine klare Unterscheidung getroffen.

Unterscheidung von  Management und Leadership nach John P. Kotter

Er bestimmt für jeden Begriff drei Kernprozesse:1

Management
1. Planen und budgetieren
2. Organisieren und Stellen besetzen
3. Controlling und Probleme lösen

Leadership
1. Die Richtung vorgeben
2. Mitarbeiter danach ausrichten
3. Motivation und Inspiration

 

Auch die Ergebnisse unterscheiden sich:   

Management
erzeugt Ordnung und Konstanz.        

Leadership
erzeugt Wandel und Bewegung.

 

Die Fähigkeiten, die einen Manager und einen Leader kennzeichnen, unterscheiden sich laut Kotter so stark, dass sie selten in einer Person zusammenkommen. Meistens sind Vorgesetzte in einer der beiden Kategorien deutlich besser als in der anderen. Laut einer von Kotter angeführten Studie sagen zwei Drittel von 200 befragten Managern, ihr Unternehmen habe zu viele Vorgesetzte, die stark in Management, aber nicht in der Führung wären. 95 Prozent der Manager waren der Meinung, es gäbe zu wenige Vorgesetzte, die beide Qualitäten hätten. Kotter kommt auch aufgrund eigener Beobachtung zu dem Schluss, die meisten Unternehmen seien »over-managed« und »under-led«,

Leadership gewinnt gegenüber Management an Bedeutung

Leadership-Fähigkeiten sieht Kotter als eine wichtige Ressource für das Bestehen und das Wachstum von Unternehmen an. Er prophezeit, dass Leadership in Zukunft immer wichtiger wird und begründet das. Bitte bedenken Sie beim Lesen, dass die folgenden Zeilen aus dem Jahr 1990 stammen:

»Eine Kombination von immer schnellerem technologischen Wandel, größerem internationalen Wettbewerb, Marktderegulation, Überkapazitäten in kapitalintensiven Industrien, ein unstabiles Ölkartell, Heuschrecken mit Junk Bonds und eine sich demografisch wandelnde Belegschaft tragen zu der Veränderung bei. Das Nettoergebnis lautet, dass es keine Erfolgsformel mehr ist, das zu tun, was man gestern getan hat, oder es um 5 Prozent zu verbessern. Bedeutende Veränderungen sind mehr und mehr notwendig, um in diesem neuen Umfeld zu überleben und effektiv zu konkurrieren. Mehr Wandel erfordert immer mehr Leadership.«2

Diese Prognose trifft heute wohl noch mehr zu als vor über 25 Jahren. Warum aber fällt es den Unternehmen so schwer, Leader zu gewinnen oder auszubilden? Kotter sieht einen Grund darin, dass große Unternehmen oft im letzten Jahrhundert gegründet wurden und in weniger turbulenten Zeiten vor allem Manager benötigten, um den täglichen Aufgaben in einem wenig komplexen Umfeld gerecht zu werden. Die Business Schools haben sich dieser Nachfrage angepasst und genauso wie die Unternehmen selbst vor allem Manager ausgebildet.

Drei Faktoren, die Leadership fördern

Tatsächlich hält Kotter es für möglich, Leader auszubilden. Ob es einem Unternehmen gelingt, Leader zu entwickeln, hängt zu gleichen Teilen von den Mitarbeitern wie auch vom Unternehmen ab. Kotter nennt dafür drei kritischen Faktoren:3

1. Persönlichkeit (Vererbung und Kindheit)
2. Erfahrung
3. Kultur

Die Persönlichkeit der Mitarbeiter ist ein Potenzial, das diese mitbringen und im Unternehmen weiterentwickeln können. Menschen mit einer hohen Energie, so erläutert Kotter, eignen sich eher zum Leader, denn für das Umsetzen von Veränderungen ist diese sehr hilfreich. Der Faktor Erfahrung wird von beiden Seiten beeinflusst. Zum einen bringt der Mitarbeiter Erfahrung mit, zum anderen kann sie vom Unternehmen beeinflusst und gesteuert werden. Kotter argumentiert, dass Mitarbeiter, die schon früh und wiederholt vor Herausforderungen gestellt werden, schneller Leadership-Qualitäten entwickeln. Als letzter Faktor ist die Kultur zu nennen, die in dem Unternehmen gelebt wird. Dazu gehören zum Beispiel die Belohnungssysteme. Wenn das Managementverhalten durch Beförderung belohnt wird und Leadership eher nicht, werden sich wenige Leader entwickeln und umgekehrt.

Kotter vertritt die Meinung, dass die Unternehmen sowohl Manager als auch Leader für ihren Erfolg benötigen.4 Für Kotter sind beide Fähigkeiten wichtige Bestandteile eines funktionierenden Unternehmens, er wertet sie nicht.

Unterscheidung von Management und Leadership nach Warren Bennis

Kotter unterscheidet sich mit dieser Ansicht sehr wohltuend von anderen Autoren, die den Leader in den Himmel heben und auf den Manager herabsehen. Als Beispiel sei hier Prof. Warren Bennis (1925–2014) von der University of Southern California genannt, der Berater von vier amerikanischen Präsidenten war. Er hat das Verständnis des Begriffs Leadership in den USA und damit weltweit über Jahrzehnte mitgeprägt. Die Financial Times, The Economist und Business Week haben ihn früher einmal als »Leading authority on leadership« tituliert. Bennis schreibt in seinem Buch »On Becoming a Leader«:

»Ich tendiere dazu, die Differenz zwischen Leadern und Managern als die Differenz anzusehen zwischen denen, die den Kontext meistern und denen, die sich ihm unterwerfen.«5

Im weiteren Text führt er zwölf Unterscheidungen zwischen dem Leader und dem Manager auf, drei davon sollen als Beispiel für die stark wertende Haltung dienen:6

  • »Der Manager administriert, der Leader innoviert.«
  • »Der Manager ist eine Kopie, der Leader ein Original.«
  • »Der Manager macht Dinge richtig, der Leader macht die richtigen Dinge.«

Prof. Bennis und andere Autoren haben den Begriff des Leaders damit glorifiziert und den des Managers abgewertet. Beides geht am Kern vorbei. Mir erscheint es sinnvoll, die beiden Begriffe zu unterscheiden, denn so kann man überlegen, welche Fähigkeit bei der Besetzung einer Stelle eher notwendig ist. Dies sollte aber auf eine wertschätzende Art beiden Gruppen gegenüber passieren, so wie es Prof. Kotter vorgeschlagen hat. Für die Leitung der Buchhaltung benötigt man sicherlich keinen Leader, sondern meist einen Manager. Dafür gibt es andere Positionen, für die ein Leader notwendig ist.

Vielleicht verhält es sich mit dem Ansehen von Manager und Leader ähnlich wie mit den Prototypen »Farmer« und »Hunter« im Vertrieb. Der Hunter liebt es, neue Kundenkontakte zu erschließen, die Kunden anschließend zu pflegen und langfristig zu betreuen, langweilt ihn dagegen. Der Farmer wiederum will lieber bestehende Kunden betreuen und binden, aber nicht akquirieren. Selten kommen beide Qualitäten in einer Person zusammen. Beide Eigenschaften sind gut und werden benötigt, der Hunter wird aber oft besser bezahlt und ist höher angesehen, denn gute Hunter sind wesentlich seltener als gute Farmer. Ähnlich mag es mit den Leadern und den Managern sein.

 

1 Kotter, John P.: A Force for Change – How Leadership Differs from Management, New York 1990, S. 4–6 (eigene Übersetzung).
2 Ebenda, S. 12 f.
3 Ebenda, S. 103–138.
4 Ebenda, S. 7.
5 Bennis, Warren: On Becoming a Leader, Philadelphia 1989, S. 41 (eigene Übersetzung).
6 Ebenda, S. 42

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Autor Alexander Groth

Alexander Groth

Alexander Groth ist Professional Speaker, Trainer und Autor für Leadership. Er gehört zu den Top 100 Excellent Speakers und ist Lehrbeauftragter an drei Universitäten. Sein Engagement gilt der Förderung einer modernen Führungskultur.

Groth ist einer der meistgelesenen Führungsautoren. Als Dozent mit der besten Benotung (1,1/1,0) erhielt er zweimal in Folge den Best Teaching Award der TU München.

Ein Kommentar

  1. Hi,

    wow toller Artikel. Ich befasse mich sehr viel mit Persönlickeitsentwicklung und finde das
    Thema veränderung und Verhaltenspsycholige sehr spannend. Auch im Bezug auf Leader und Manager. Was ist aktuell ein Leader der Sie inspiriert?

    LG Malte

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